Eine gute »Notlösung« – Vier-Jahreszeiten-Lesung: Winter

Veröffentlicht von Kay Ganahl am 4. Februar 2016 in Mitgliederaktivitäten

Die literarische Lesung, die unsere Nordrhein-Westfälische Kollegin Marlies Strübbe-Tewes leitend organisierte, war als erste »Jahreszeitenlesung« des FDA-NRW im Jahr 2016, nämlich als Winterwanderlesung auf einem Rundweg in der Stadt Unna, östliches Ruhrgebiet, konzipiert. Sie fand statt, aber anders als geplant. Ich begab mich per Bahn nach Unna und hatte – derartiges kommt ja gelegentlich vor – deshalb eine Verspätung der Ankunft meines Zuges zu vermelden. Zuvor hatte ich mir die Frage gestellt, ob die ganze Veranstaltung eventuell ausfallen würde. Warum? Nun, anlässlich solcher Winterwanderlesungen muss man sich auf den lieben Wettergott verlassen, was stets mit einem großen Risiko behaftet ist. Und dieser Wettergott ließ am Vormittag des Samstag, 30. Januar 2016 zwar den Schnee fehlen, doch suchte er die Stadt Unna und andere Teile Deutschlands mit argen Regenergüssen heim, die literarisches Lesen im Freien zwangsläufig verunmöglichten, jedenfalls als äußerst problematisch erscheinen ließen.

Das war der Grund, weshalb Marlies Strübbe-Tewes die eingetroffenen AutorInnen-Teilnehmer, darunter meine FDA-NRW-Kolleginnen Stalder, Buddensiek und Bordt-Haakshorst, mit der Ankündigung positiv überraschte, dass nichts »ins Wasser fallen« würde, sondern die Doppelgarage ihres Eigenheims zur Lesestätte umfunktioniert wurde. Engagement und Improvisationstalent unserer geschätzten Kollegin aus Unna, die dann die Veranstaltung locker moderierte, zahlten sich also bestens aus.

Ich fand schon bald, dass wir es in der zwar etwas kühlen, doch trockenen und für den gegebenen Zweck ausgestatteten Doppelgarage in jeder Hinsicht recht gut getroffen hatten. Die Stimmung unter den teilnehmenden AutorInnen und Gästen aus dem Umfeld des FDA-NRW, des Literaturbüros Unna und der Solinger Autorenrunde war gelöst. Ein fröhliches Miteinander und das von mir als sehr wertvoll angesehene gegenseitige Kennenlernen leiteten die Veranstaltung ein. Jede Gelegenheit zum Meinungs- und Informationsaustausch konnte vor dem Lesen, in den Pausen und auch noch in nachmittäglicher Gesprächsrunde genutzt werden.

Ganz verschiedene literarische Persönlichkeiten aus NRW lasen in festgelegter Reihenfolge schwerpunktmäßig Lyrik: Alle platzierten sich am runden weißen Tisch vor den bestuhlten Tischreihen, damit ihre Werke bestmöglich Gehör finden konnten. Ich stellte mein auf CD-Rom geprägtes Ebook Konda Kerls Supranetz. Roman eines utopischen Aufbauversuchs vor, indem ich von ausgedruckten Seiten vorlas. Die kritische Sicht auf die Dinge des Lebens überwog von den literarischen Aussagen her bei allen AutorInnen! Gerade dies fand ich sehr interessant und unterhaltsam, zumal dabei ja eben auch der Humor nicht zu kurz kam. Ich meine übrigens, dass Thorsten Trelenberg aus Schwerte, der zusammen mit mir und Marlies Strübbe-Tewes die »Jahreszeitenlesungen« organisiert, mit seinen düster-sarkastischen Poemen der Zeit- und Menschen-Kritik, die er sehr lebendig vortrug, am meisten begeistern konnte.

So kam es, dass die erste »Jahreszeitenlesung« des Jahres 2016 trotz des Ausfalls der geplanten Winterwanderlesung zu einem gelungenen Beginn der »Jahreszeiten«-Reihe wurde – und auch schon zu einem ersten Highlight des noch jungen FDA-Literaturjahres werden konnte.

Photos © Kay Ganah

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