Literaturtreff 30. April

Veröffentlicht von Manfred Luckas am 27. Mai 2016 in Literarische Aktivitäten

Es gibt, auch für Kölner, gute Gründe, hin und wieder einen Samstag in Düsseldorf zu verbringen. Der FDA-Literaturtreff ist einer davon, vor allem, wenn die Runde groß und die Texte gut sind.

Wie z. B. der März 2016 im Verlag Twentysix erschienene Roman Der Vorhang oder Das Stück ist nicht zu Ende, wenn der Vorhang fällt von Rohna Buehler, aus dem die Autorin einige Seiten zu Gehör bringt. In pointierter Form beschreibt Buehler einen Tochter-Eltern-Konflikt, der sich im Kontext von Bühne und Schauspielermilieu entwickelt und die Problematik von Rollenspiel und Identitätssuche thematisiert. In einem stimmigen Kontrast dazu steht die launig-humorvolle Neuinterpretation des »Gestiefelten Katers« von Marlies Strübbe-Tewes.

Dagmar Schenda liest aus ihrem Kurzgeschichtenband Flüchtige Begebenheiten vor. In der Episode »Die Chronologie der Gefühle« stellt sie die widersprüchlichen Ereignisse einer Juliwoche des Jahres 2010 – das Kulturfestival Ruhrschnellweg A40 und die Loveparade in Duisburg – und ihre emotionalen Auswirkungen gekonnt dar.

Maria Stalder versucht sich anlässlich des Destille-Mottos »Alpenglühen« mit Verve gleich zweimal im Genre der Short Shorts, während Ellinor Wohlfeil einen einfühlsam-pädagogischen Bericht über ein Kind mit Schreib- und Leseschwäche vorträgt. Die konzise Poesie von Mechthild Bordt-Haakshorst zieht das Plenum wieder einmal in ihren Bann. Dies gilt besonders für die Gedichte »Das Fenster« und »Was ich nicht brauche«. Im Gedächtnis haften bleiben Sätze wie »Aufblitzendes Blau täuscht eine Freude vor« oder »Die Jahre geplündert, umrankt vom Herbst«.

Auf lebhafte Resonanz stößt die Kurzprosa von Ute Mrozinski. Neben »Was Körper und Geist mit dem Niedergang der Menschheit zu tun haben« wirkt vor allem der Text »Das kalte Schwarz der Seelen«. Hier gelingt der meinungsfreudigen Autorin, die eindeutig Stellung bezieht, die literarische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen politischen Lage in einer verdichteten, atmosphärischen Sprache.

Der nächste Literaturtreff findet am 30. September wieder von 11:00 bis 14:00 im Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Haus statt.

1 Kommentar:

  1. Ute Mrozinski 1. Juni, 2016

    Ich kann diesem Bericht nur zustimmen, und möchte mich für die kleine Rezension zu meinem Text bedanken. Die Resonanz darauf hat mich sehr gefreut. Das war auch der Sinn des Ganzen. Dieser Text hat mir einfach am Herzen gelegen.
    Als Autorin hat mir vor allen Dingen der lebhafte Austausch untereinander gefallen, die allgemeine Diskussion über Literatur und andere Themen, außerdem natürlich die unaufgeregte und konstruktive Kritik.
    Weiterhin frohes Schaffen allen anderen Autoren und Künstlern.
    Bis zum nächsten Literaturtreff.
    Schöne Grüße von U. M.


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