Asylantrag wurde angenommen!

Veröffentlicht von Hans Bäck am 19. März 2017 in Mitgliederaktivitäten

Nach dem Ende der FDA-Mitgliedschaft in Hamburg/Schleswig-Holstein hatten Ruth Barg und ich einen Wechsel nach NRW angestrebt, bei der Mitgliederversammlung am 28. Februar (so heißt dort die Jahreshauptversammlung) wurde unser Asylantrag einstimmig angenommen und wir sind nun Mitglieder des Freien Deutschen Autorenverbandes im Landesverband NRW. So durften wir schon der Versammlung beiwohnen und konnten die rheinische Freundlichkeit und Gastfreundschaft in vollen Zügen genießen.

In Abwandlung eines Satzes von Heimito von Doderer in seinem Roman Die Dämonen (das ist zugleich eine dringende Leseempfehlung!) ist die Strecke zwischen Kapfenberg und Düsseldorf (und umgekehrt) so, dass man am Ziel keinesfalls unbesoffen ankommen kann. Gut, der Speisewagen der DB macht dies durchaus möglich und erstrebenswert.

Also, ein Eintreffen in Düsseldorf (für mich nach mehr als 30 Jahren wieder einmal) und schon am Bahnhof wurden wir von der bezaubernden zweiten Vorsitzenden in Empfang genommen. Wenn das keine Begrüßung ist! Ein erster Abend in Düsseldorf, unter fachkundiger Anleitung/Führung/Begleitung von Maria und Erwin Stalder. Vorbei an verlockenden Wirtshaustüren, vorbei an leuchtenden Restaurantschildern, es ging geradewegs in Richtung Kö. Na klar, diese Straße muss gesehen, muss begangen werden. Quer durch, an allem vorbei an allem vorüber, mit dezenten Hinweisen, da und dort sei die Altstadt, vorbei an Merkwürdigkeiten, wie dem Schneider Wibbel (der vom Fenster aus seinem eigenen Begräbnis zusehen konnte und dabei feststellte: »Nä, watt bin ich für ’ne schöne Leich«), dem Reitstandbild des Jan Wellem vor dem Rathaus, natürlich der Hinweis auf die historischen Gaslaternen der Stadt durfte nicht fehlen (sie sind ja tatsächlich etwas Einzigartiges), die Tritonen am Ende des Stadtgrabens an der Kö, die Rheinpromenade am Abend, ja, eine Stadt am Wasser und mit Wasser, die hat eine eigene Aura. Aber unsere Führer hatten Mitleid mit uns und so endete der Abend wie er enden musste: im Brauhaus Schumacher. Altbier in Strömen (dass Ruth soviel Bier verträgt, musste ich erst in Düsseldorf erleben!) ein hervorragendes Abendessen und ein Ausklang in der Hotelbar unserer Unterkunft (zum Glück gab es dort auch ausreichend Altbier).

Samstag, 11 Uhr Treffen mit einem langjährigen Reibeisen-Autor: Michael Arenz aus Bochum. Seit vielen Jahren beglückt er uns immer wieder mit seinen Texten für unsere Hefte, diesmal konnten wir einander endlich persönlich kennenlernen. Es waren zwei wunderbare Stunden bei Gesprächen über Literatur. Selten genug ist es, dass ich solch einen kongenialen Partner für Gedanken zur und über Literatur fand! Die Zeit verflog, Kollege Arenz musste zurück nach Bochum, wir mussten ins Gerhart-Hauptmann-Haus in der Bismarckstraße zur Tagung des FDA/NRW. Wie schon eingangs erwähnt, die Aufnahme war herzlich, wir durften den Europa Literatur Kreis Kapfenberg ELKK und das Kulturmagazin Reibeisen vorstellen (und Werbung für Beiträge machen), konnten Fragen zur Arbeit in Kapfenberg beantworten und dann eben an der Mitgliederversammlung teilnehmen. Mit etwa 80 Mitgliedern ist der Landesverband NRW gleich stark wie der ELKK. In den Gesprächen bahnte sich eine enge Zusammenarbeit der beiden Literaturvereine an, wir wollen hoffen, dass es dann auch tatsächlich dazu kommt. Im Landesverband NRW sitzen einige sehr interessante Autoren, wir sind ja nun als Mitglieder im Verteiler der Nachrichten des Landesverbands aufgenommen und können dadurch auch direkt am Leben der Literatur in NRW teilhaben. Informationen des 1. Vorsitzenden über die Arbeit im abgelaufenen Jahr, die bevorstehende Buchmesse in Leipzig und die Arbeit im Bundesvorstand sowie der »unvermeidliche« Kassenbericht rundeten den ersten Teil ab. Nach der Pause wurden die neuen Mitglieder eingeladen Textbeispiele vorzutragen. Ruth brachte ausnahmsweise einmal keine Lyrik, sondern einen Prosatext (»Auch unter dem Pflaster ist Erde«), während ich den Text aus der neuen Broschüre »Miteinander, nebeneinander, durcheinander« brachte, der sich mit den »Verboten« für Schriftsteller beschäftigte. Spannende, abwechslungsreiche Diskussionen mit den Kolleginnen und Kollegen beendeten eine interessante Jahreshauptversammlung.

Aber, eine Jahreshauptversammlung ohne neuerlichen Besuch in der Altstadt? Immerhin sei diese die längste Theke Europas, wurde uns glaubhaft versichert und vorgeführt. Natürlich, Samstag Abend, könnte man einwenden, alles ist unterwegs. Im Fischhaus – eine riesige Halle mit den Ausmaßen einer Bahnhofshalle – bekam ich meine seit Jahrzehnten vermissten Muscheln rheinische Art. Herz, was willst du mehr? Na ja einen Abschluss beim Uerigen – auch so ein Brauhaus mit herrlichem Altbier. Rheinische Geselligkeit wurde uns durch den Tischnachbarn unter Beweis gestellt, einfach ein herzlicher Abend!

Eine Rückreise nach einer sehr kurzen Nacht mit dem ICE 1027 direkt nach Wien, der führte uns plangemäß über Köln, Bonn, das Rheintal, Koblenz, Bingen, St. Goar, vorbei an der Lorelei – zwar waren die Weinberge noch braun, aber der Zug bot uns die Möglichkeit im gemächlichen Tempo die vielbesungenen Schönheitern des Tales zu genießen.

Natürlich, fast 13 Stunden Bahnfahrt sind schon eine ordentliche Zeit, aber in Zeiten des wachsenden ökologischen Bewusstseins ist es eine durchaus annehmbare Alternative zum Flugzeug. Wenn wir bei diesem Verkehrsmittel die Nebenzeiten dazurechnen, wird die Zeitersparnis der einen Flugzeit auch wieder relativiert.

Und wenn der Landesverband für den Herbst 2017 eine Lesung u. a. in Essen plant, werde ich nach Möglichkeit gerne wieder dabei sein!

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