Bericht vom 3. Literarischen Wandertag

Veröffentlicht von Kay Ganahl am 20. Juli 2017 in Literarische Aktivitäten

Unser Landesverband Nordrhein-Westfalen im Freien Deutschen Autorenverband veranstaltete im Juli des laufenden Jahres 2017 zusammen mit der Solinger Autorenrunde den 3. Literarischen Wandertag in Solingen-Gräfrath, Motto: »Altes macht Neues«.

Das Vorhaben, Gräfrath literarisch zu erwandern, stieß im Vorfeld auch bei der Solinger Autorenrunde, die sich natürlich in ihrer Heimatstadt bestens auskennt, auf große Zustimmung. So kam es wieder zu einer Kooperation.

Gräfrath, idyllisch am nördlichen Rand Solingens gelegen – mit Schiefer- und Fachwerkhäusern im historischen Ortskern, der eine mittelalterliche Atmosphäre ausstrahlt – , lädt immer wieder zu Besuchen ein. Schon wegen des Deutschen Klingenmuseums und des Solinger Kunstmuseums ist es ein kultureller Anziehungspunkt weit über Solingen hinaus.

Dort Literatur »stattfinden zu lassen« fand ich sehr richtig, zumal die Gräfrather Heide eine klassische Wanderroute bietet. Und wieder organisierte ich für unseren Landesverband diesen Wandertag.

Wir trafen uns am 8. Juli 2017, 15 Uhr an der Straßenecke Wuppertaler Straße/In der Freiheit.

Auf dem pittoresken Marktplatz mitten im historischen Ortskern Gräfraths befand sich der erste Literaturpunkt zum Vorlesen aus den Werken der wandernden LiteratInnen, dem mehrere folgen sollten.

Als ich mit Dagmar Schenda aus Mülheim/Ruhr, Martina Hörle aus Solingen, Thorsten Trelenberg aus Schwerte, mit der Solinger Sängerin/Gitarristin Teneja und all den Gästen dort eintraf, winkte uns zwar der Wettergott wohlwollend zu, doch unerwartet empfing uns eine wenig erbauliche Klangkulisse. Eines unbekannten E-Gitarristen Spiel ließ es ratsam erscheinen, den Markt mit seiner interessanten Bebauung zu bewundern, aber dort nicht zu lesen und nicht Teneja singen zu lassen!

Deshalb ging es zügig die schmale Altstadtgasse »Täppchen« hoch zur Kirche St. Mariä Himmelfahrt … muntere Kennenlerngespräche und kultureller Austausch, dann der Stopp neben der Kirche.

Zeit und Ort für die Literatur!

Kay Ganahl gab sein Gedicht »Altes macht Neues« zum Besten, mit welchem er das Motto des 3. Literarischen Wandertages aufgriff. Teneja, sich selbst während der Wanderung an der Gitarre begleitend, sang von The Beatles “Come Together”. Dies war ein wahrhaft geeigneter Song für die Anfangsphase der Literaturlesung. Teneja ließ im weiteren Verlauf der Wanderung noch mehrere musikalische Glanzlichter folgen.

Dagmar Schenda las dann – wie immer sehr engagiert und äußerst präsent – aus ihrem Roman Die unvermutete Hoffnung (2017), so dass gerade hier, neben der Kirche, Vampire in der Fantasie der Zuhörer ihr Stelldichein gaben. Sie errichtete an diesem Ort eine geistige Brücke zur Fantasy in der deutschen Literatur. Zufälligerweise fand in der Kirche während unseres Vorlesens eine Hochzeit statt. Einige Leute eilten mit Luftballon-Trauben an uns vorüber.

Dies war der Grund, weshalb wir bald zum nächsten Literaturpunkt wanderten – vor das Deutsche Klingenmuseum.

Die beiden ersten Vorleser an diesem Nachmittag wussten auch im Weiteren – so Kay Ganahl zum Beispiel mit seinem »Auf dem Waldpfad« – die Schar der Mitwanderer mit Lesebeiträgen zu überzeugen. Dagmar Schenda übergab ja schon mehrere interessante Prosawerke der Öffentlichkeit.

Klar war ziemlich früh, dass an diesem sonnigen, nicht allzu warmen Nachmittag in organisatorischer Hinsicht der Zufall eine sehr große Rolle spielen würde. Die geplanten Literaturpunkte würden wohl nicht alle für das Vorlesen genutzt werden können. Dies hieß, spontane Entscheidungen waren zu treffen: hier und jetzt! So kam es, dass gleich hinter dem Deutschen Klingenmuseum vorgelesen wurde. Eine Vielzahl von Personen, die frischgebackene Handwerksgesellen lossprechen wollten, blockierten dann doch tatsächlich den als Literaturpunkt eingeplanten Platz vor dem Museum.

Spontanität beförderte sogar noch den Erlebnischarakter unserer literarischen Wandertour!

Die Gräfrather Heide galt es nun zu erwandern, einen der schönsten »Wohlfühlräume« Solingens. Es ging in Richtung Fauna/Lichtturm.

Im parkähnlichen, recht imposanten Eingangsbereich der Heide begann Thorsten Trelenberg aus Schwerte/Westfalen mit Lesungen aus seinen Lyrik-Veröffentlichungen. Er schreibt als Lyriker sehr Einfühlsames, Einprägsames – aus der Perspektive des kritischen Mitbürgers gesehen. In der Folge setzte er mit seinen Lesebeiträgen immer wieder Zeichen.

Durch das frohe kulturelle Miteinander ergab sich immer wieder der erwünschte Austausch von Poesie, Geschichten und persönlichen Eindrücken. Gut ist ja unzweifelhaft, dass während der Literarischen Wandertage nicht etwa weniger kritisch der Literatur, der Musik und den Künsten allgemein »gehuldigt« wird, sondern in geistiger Bodennähe die Literatur sich eben auch im Austausch mit allem befindet, mit dem sie der literarische Vorleser in Kontakt bringt.

Am Denkmal, einem fest eingeplanten Literaturpunkt, sorgte dann zuletzt die Literatin, Journalistin und Veranstaltungsorganisatorin Martina Hörle – die zuvor mehrmals mit Textbeiträgen brilliert hatte – für einen besinnlichen Ausklang dieses 3. Literarischen Wandertages. Sie saß ruhig vorlesend auf der Mauer, genoss sichtlich auch die für eine Literaturlesung eher ungewöhnliche Örtlichkeit.

Es ist einfach so, dass die Qualität der literarischen Beiträge und die Verschiedenheit der beteiligten LiteratInnen, die zu einem bestimmten Thema etwas beitragen, jeden Literarischen Wandertag zu etwas Besonderem machen.

Literatur & Musik, Kultur & Natur gehören untrennbar zusammen!

Ich finde, dass in diesem Jahr schon allein die Wanderroute, die ihren Anfang im historischen Ortskern Gräfrath nahm und inmitten der Natur an einem Soldaten-Denkmal endete, ein besonderes Erlebnis darstellte!

Photos Trelenberg, Teneja, Schenda © Martina Hörle
Photo Ganahl © Gunther Schenda
Photo Martina Hörle © Strübbe-Tewes

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