»Die Phantasie ist ein ewiger Frühling« – Mythen, Märchen und Fantasy in der Burgruine

Veröffentlicht von Kay Ganahl am 10. Juli 2016 in Mitgliederaktivitäten

»Die Phantasie ist ein ewiger Frühling« – … ja, das mag sein. Unser Dichter Friedrich Schiller wusste um die Bedeutung des lebensbestimmenden Gedankens der Blüte, der im Menschen durch die Fantasiebegabung bis hin zu literarischen Gestaltungen reicht. Die Fantasie des Menschen als frühlingshaftes Anfangen …

Der Landesvorsitzende des FDA/NRW Dr. Manfred Luckas hatte dieses Zitat Schillers gewählt, um zu der Lesung mit Musik zu laden, die am Sonntag, den 19. Juni 2016, 17 Uhr in der Reihe »Texte und Töne im Turm« veranstaltet wurde. Die restaurierte Burgruine im Essener Stadtteil Burgaltendorf war der Lesungsort. Zusammen mit dem Heimat- und Burgverein Burgaltendorf und der Buchhandlung »Kleine Bücherwelt« werden vom Landesverband NRW dort schon seit dem Jahr 2007 – mit initiiert von der damaligen Landesvorsitzenden NRW Marianne Kuhlmann, die heute Ehrenvorsitzende ist – ein, zwei Mal jährlich Lesungen mit Musik durchgeführt. Eine solche Räumlichkeit ermöglicht viele Arten des Auftritts und der Darbietung.

An diesem Sonntag, als sogar das Wetter mitspielte, fanden zahlreiche Gäste den Weg in die Burgruine, um literarischen Beiträgen aus dem Themenkomplex Mythen, Märchen und Fantasy zu lauschen. So meinte Dr. Regina Schymiczek, eine der vorlesenden FDA-NRW-Autorinnen denn auch: »… Die schön abgerundete Veranstaltung mit Musik, Moderation und Lesungen traf auf ein sehr interessiertes Publikum aus Stammgästen und Neulingen, die das Thema angelockt hatte. …«. (Zit. R. Schymiczek, Juni 2016)

Die Veranstaltung in der Burgruine begann mit einem musikalischen Intro. Aus dem nahen Dortmund waren die Campfire Boys – ein Duo mit breitem musikalischem Spektrum, auch mit Musik zum Thema – gekommen, um im Laufe der rund anderthalb Stunden Veranstaltungsdauer mit Songs wie “The Unknown Stuntman” (aus: Ein Colt für alle Fälle) bis zu Werken des deutschen Chansoniers Reinhard Mey aufzuwarten. Die Campfire Boys begeisterten mit schwungvollen Überleitungen das Publikum immer wieder!

Alsdann führten Dr. Manfred Luckas aus Köln und die 2. Vorsitzende des Landesverbandes NRW, Marlies Strübbe-Tewes aus Unna, einen erhellenden Dialog zum literarischen Themenkomplex, womit sie der Riege der literarischen Vorleserinnen den Weg ebneten. Es ist ja so, besonders das literarische Genre Fantasy beeindruckt in der heutigen Zeit große Teile der Leserschaft, auch einige AutorInnen.

Dieses Genre, dem unser Landesverband mit der FDA-Jahrestagung in Mülheim/R. im Dezember 2015 durch thematische Schwerpunktsetzung einen verdienten Platz einräumte, ist wichtiger denn je – auch und gerade im Zusammenhang mit Mythen und Märchen. Nach Ansicht von Dr. Luckas liegen Mythen, Märchen und Fantasy als Genres eng beieinander, sind immer wieder neu zu interpretieren, zumal sie auch mit vielen Bezügen zur Realität versehen werden können. Die Fantasy kam an diesem Literaturnachmittag besonders zur Geltung.

Der 2. Vorsitzende des Heimat- und Burgvereins Essen-Burgaltendorf, Frank Meuwsen, neu in dieser Funktion, begrüßte dann die Anwesenden. Dieser freundlichen Begrüßung folgte Dr. Luckas’ Eingehen auf das Motto der Lesung »Phantasie ist ein ewiger Frühling« und ein »Wie geht es weiter?«. Das war auch eine Art von Begrüßung, durch die er flugs zu dem Hauptteil der Veranstaltung überleitete, die Fantasy-Lesungen der Autorinnen Maria Stalder aus Mettmann, Dagmar Schenda aus Mülheim/R. und Dr. Regina Schymiczek aus Essen.

Es sind dies Autorinnen des FDA/NRW, die im Bundesland Nordrhein-Westfalen durch viele literarische Lesungen und ihre Buch- und Ebook-Veröffentlichungen bekannt geworden sind. Maria Stalder ist auch als einfühlsame Lyrikerin und bildende Künstlerin tätig; Dagmar Schenda (zumal bekannt von ihrem beeindruckenden Leseauftritt bei »Vampire unter uns?« auf Schloss Burg in Solingen, 2014) arbeitet gerade an einem großen Roman, dessen Thema und Titel noch nicht bekannt sind; Dr. Regina Schymiczek, Kunsthistorikerin, hat in den letzten Jahren mehrere historische Romane mit Fantasy-Elementen veröffentlicht (so Die Weide der Seepferde, 2013). Von Beginn an unterhielten die drei Autorinnen auf hohem qualitativem Niveau, lasen sie doch intensiv und publikumszugewandt. Das Short Short war das gewählte Textformat für diesen Hauptteil. Es stammt aus der amerikanischen Literatur: kurze, dichte Prosa mit Pointe. Maria Stalder las ihr Werk »Seenebel«, eine außerirdisch bekleidete Dagmar Schenda (mit silbernen Stiefeln und Leuchtapplikationen eine Augenweide für die Gäste!) die Story »Der Sammler« und Regina Schymiczek schloss ihren »Strandspaziergang« an. Sie überzeugten ihre Zuhörer mit der Glaubwürdigkeit ihrer Schöpfungen, was gerade in der Fantasy von großem Wert ist.

Später berichtete mir Dagmar Schenda von den Eindrücken, die sie gesammelt hatte: »Für mich war es die erste Lesung in Burgaltendorf; der Turm besticht durch eine ganz besondere Atmosphäre, zudem fühlte ich mich durch die umgängliche Art des 2. Vorsitzenden des Bürgervereins sehr willkommen. Die Campfire Boys haben das Thema »Fantasy« musikalisch angepasst und richtig toll umgesetzt.« (Zit. D. Schenda, Juni 2016)

Dr. Manfred Luckas, dessen Sprache durch hohe Präzision des Ausdrucks und große Verständlichkeit geprägt ist, trat danach wieder vor das Publikum. Er stellte die Frage »Was ist Mythos?«, wodurch schon klar wurde, dass es in Beantwortung der Frage um eine tiefere Erklärung des Mythos-Begriffs ging. Dr. Luckas, der eben auch anschaulich schreibt und spricht, bediente sich hierbei zweier Gestalten der griechischen Mythologie, die vielen Menschen zumindest vom Namen her geläufig sind: Minotaurus und Pandora. In Kurztexten wusste er den Menschen die Bedeutung dieser Gestalten nahezubringen. Marlies Strübbe-Tewes – besonders mit Kinder- und Jugendbüchern sowie Lyrik an die Öffentlichkeit getreten – setzte den heutigen Lesebeiträgen mit ihren »Märchen im neuen Gewand«, so zum Beispiel mit »Der gestiefelte Kater«, einen beeindruckenden Schlusspunkt. Es handelte sich um Bearbeitungen von Klassikern der deutschen Märchendichtung, die Marlies Strübbe-Tewes mit der bei ihr gewohnten Ausdrucksstärke dem geneigten Publikum vortrug.

Das Publikum war mit der musikalisch umrahmten Literaturveranstaltung sichtlich zufrieden; es hätten sich wohl einige Gäste noch viel mehr Literatur gewünscht! Dieser literarische Nachmittag wurde davon geprägt, dass Prosa, Lyrik, literarische Sachlichkeit und Musik einen schönen, geistreichen als auch unterhaltsamen Zusammenhang bildeten. Nach den Worten der Verabschiedung fand die Veranstaltung ihr Ende damit, dass sich die Mitwirkenden ins Gästebuch der Burgruine Altendorf eintrugen, deren 850-jähriges Bestehen im Jahr 2016 gefeiert wird.

Dieser Text für den Blog auf der Homepage des FDA/NRW hat allerdings noch nicht ganz sein Ende gefunden, soll er doch mit einer Anekdote aus dem manchmal auch strapaziösen Veranstaltungsleben der AutorInnen enden: Marlies Strübbe-Tewes hatte sich auf der Hinfahrt zur Burgruine in Essen-Burgaltendorf im Kampf mit ihrem Kfz-Navigationsgerät und einer falschen Straßenumleitung befunden, konnte sich aber, reichlich erfahren mit allen möglichen Stresssituationen, in ihre Rolle vor Ort schnell einfinden. Später sagte sie: »Kein Kaffee, kein Kuchen, aber das erwartende Zuwinken der Kollegen. Geschafft, ganz knapp vor Beginn! Danach lief alles wie geplant, fröhlich und entspannt.« (Aus: »Hinter den Kulissen« biographischer Text von M. Strübbe-Tewes, Juli 2016).

Photos © Dagmar Schenda

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